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Geschichte

Stetten gehört zu den frühesten Siedlungen in unserer Heimat, wie die in den letzten Jahren durchgeführten Grabungen des Landesdenkmalamts gezeigt haben. Schon seit der Jungsteinzeit schätzten die Menschen den Siedlungsplatz am Südhang des Donautals, in der Nähe der das ganze Jahr über fließenden Riedbrunnenquelle.

Urkundlich erwähnt wird Stetten um das Jahr 790. Graf Gerold, der Schwager und enge Vertraute Karls des Großen schenkte damals vor seinem Weggang nach Bayern seinen Besitz zu Stetten dem Kloster auf der Reichenau. Etwa 200 Jahre später übergab Bischof Gebhard II., der aus dem gleichen Geschlecht wie Gerold stammte, dem Kloster Petershausen seine Güter zu Stetten. Dieser Besitz blieb dem Kloster über Jahrhunderte erhalten. Er umfasste etwa ein Drittel der Felder und Wiesen im Tal. Der geroldinische Besitz dürfte nicht weniger umfangreich gewesen sein. Vermutlich gehörten nicht nur Grundstücke dazu, sondern er schloss auch die Herrschaft über das Dorf bzw. die Dörfer mit ein.

Nach dem Stand der Forschung muss von zwei nahe beieinander gelegenen Siedlungen ausgegangen werden. Eine ältere, jetzt freigelegte Siedlung im Gewann Hintere Zell und eine jüngere am Kesselbach. Bis 1812 gehörten sieben Häuser am Kesselbach und der Zehnte aus diesen Grundstücken in die Pfarrei Nendingen. Alle nördlich davon ausgelegten Häuser und der Zehnte daraus gehörten hingegen in die Pfarrei Mühlheim.

Das Dorf am Kesselbach entwickelte sich nach und nach zum Mittelpunkt. Hier stand eine früh abgegangene Mühle und hier wurde im 12. Jahrhundert unter Einfluss des Klosters Petershausen eine Kapelle zu Ehren des hl. Nikolaus errichtet. Wann die Grafen von Zollern in den Besitz des Dorfs kamen, ist unbekannt. 1392 verkauften sie es an die Herren von Weitingen. Diese veräußerten es 1409 an ihre Verwandten, die Ritter Friedrich und Engelhard von Enzberg.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte der Ort unter den Truppendurchzügen, den Kriegskontributionen und den Einquartierungen schwer zu leiden. Der Krieg und die Misswirtschaft der Freiherren führte beinahe zum Ruin des Hauses Enzberg. 1662 mussten sie das mehrfach verpfändete Dorf an die Gläubiger abtreten. Die Wallfahrt auf dem Welschenberg erwarb die verschiedenen Pfandbriefe und gelangte so in den Besitz des Orts.

Etwa 100 Jahre lang stand Stetten unter der Verwaltung der Wallfahrt. In dieser Zeit gelang es der Bürgerschaft, eine gewisse Selbständigkeit zu erringen und die Bürger entwickelten ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Dies führte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Bürgerschaft und den Freiherrn von Enzberg, als diese wieder in den Besitz des Dorfs kamen und ihre Herrschaft ausüben wollten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bemühte sich die Gemeinde schulisch und kirchlich von Nendingen bzw. Mühlheim unabhängig zu werden.

Die Bürgerschaft erbaute ein Schul- und Gemeindehaus und stellte einen Lehrer an. Erst nach langem hartnäckigem Ringen erhielt Stetten 1843 einen eigenen Pfarrer. Da die alte Nikolauskapelle zu klein war, wurde 1864/65 eine neue Pfarrkirche am Westrand des Dorfes errichtet. Die Pläne für die neugotische Kirche stammen von dem im Schwäbischen geborenen Wiener Oberbaurat Friedrich Schmidt. Die alte Kapelle stand zunächst leer, wurde dann zum Schulhaus umgebaut und dient heute als Rathaus.

Die Einwohnerschaft lebte bis ins 19. Jahrhundert hinein beinahe ausschließlich von der Landwirtschaft. Das überschüssige Getreide wurde auf den benachbarten Märkten verkauft. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bürger waren im allgemeinen gut.

Im 19. Jahrhundert betrieben immer mehr Stettener nebenher ein kleinen Handwerk. Besonders erwähnenswert ist die Langsche Messerschmiede, die heute noch besteht. Mit der Eröffnung der Donautalbahn bot sich vielen Einwohnern die Möglichkeit ihr Brot in den Tuttlinger Fabriken zu verdienen.

Verfasser: Dr. Elmar Blessing

 

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