Seit Dienstag vergangener Woche ist die Tordurchfahrt nach rund achtmonatiger Bauzeit wieder möglich. In den vergangenen Tagen hörte man oft den Satz: „Schön ist unser Torhaus geworden“. Das Torhaus wurde um das Jahr 1200 gebaut und ist zusammen mit dem Kirchturm der Stadtkirche St. Maria Magdalena das älteste Gebäude der historischen Oberstadt.
Es steht symbolisch für Bürgerstolz und ein starkes Heimatbewusstsein. Aus Freude über die gelungene Sanierung wird im kommenden Jahr am 12. Juni ein Torhausfest auf dem Torplatz gefeiert. Das markante Gebäude bildet einen unverzichtbaren Bestandteil der stadtbildprägenden Silhouette unserer Stadt rund um den Torplatz. Hieraus und auf Grund der herausgehobenen Wertigkeit als besonders erhaltenswertes Kulturdenkmal nach § 12 Denkmalschutzgesetz, ergibt sich eine besondere Verantwortung das stadtbildprägende Gebäude für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die letzte grundlegende Sanierung liegt bereits 70 Jahre zurück und wurde Mitte der 1950-ziger Jahre durchgeführt.
Rechtzeitig vor dem beginnenden Winter wurden die umfangreichen Sanierungsarbeiten unter der Regie von Projektleiter Gottlieb Riedinger vom Verbandsbauamt abgeschlossen. Auch Verbandsbaumeister Aldo Menean in seiner Funktion als Leiter der Unteren Denkmalbehörde, Stadtarchivar Ludwig Henzler, der Heimatverein, der Gestaltungsausschuss sowie der Gemeinderat und die Stadtverwaltung haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Bauvorhaben befasst. Es gab allein vier Begehungen des Gemeinderates, um dem Kulturdenkmal so gut es geht gerecht zu werden. Direkt nach der Fasnet wurde mit den Arbeiten begonnen. Diese haben sich, trotz sorgfältiger Planung, als deutlich umfangreicher herausgestellt als zu erwarten gewesen ist. Dies schlägt sich auch in den Baukosten nieder: diese liegen bei rund 350.000 Euro.
Leider hat sich bei den Freilegungsarbeiten herausgestellt, dass das Torhaus ohne Sockel im eigentlichen Sinne errichtet worden ist. Folglich musste neben dem geplanten Verstärken des Fundaments durch einen Sockelstein auch noch größere Fundamentierungs – und Sicherungsarbeiten seitens der Fridinger Firma Feger Bau unternommen werden, um das Jahr 1200 gebaute Gebäude dauerhaft zu sichern. Auch das Mauerwerk im Torbogen bot eine Überraschung der eher unwillkommenen Art: nachdem der Zementputz im Bereich der Durchfahrt vollständig entfernt wurde, sind teils großflächig erhebliche Schäden am Kalknatursteinmauerwerk zu Tage getreten. Nur im oberen Bereich direkt unter der Decke war das Mauerwerk noch intakt. Die massiven Schäden sind auf die geringe Diffusionsfähigkeit des teilweise bis zu 15 cm starken Zementputzes zurückzuführen. Erstmals verputzt wurde das Mauerwerk des Torbogens vermutlich Anfang des 18. Jahrhunderts. Davor lag das Mauerwerk frei.
Verbandsbaumeister Aldo Menean und Gottlieb Riedinger kamen nach intensiven Überlegungen zu der Empfehlung an den Gemeinderat, dass das Restaurieren des Natursteinmauerwerks die bautechnisch, denkmalpflegerisch und auch wirtschaftlich bessere Lösung ist, als erneut das Mauerwerk zu verputzen. Der Gemeinderat folgte dieser Empfehlung auch und gerade vor dem Hintergrund, dass ein mittelalterliches Stadttor als Natursteinmauerwerk errichtet worden ist und der aufgebrachte Putz den Denkmalcharakter verwässert. Die Firma Steinmetz Schnell aus Fridingen hat die aufwändigen Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk in vorbildlicher Weise vorgenommen. Gleiches für die Arbeiten am Dachstuhl und das Neueindecken des Daches durch die örtliche Firma Milkau Holzbau.
Auch die farbliche Gestaltung des Torhauses ist stark verändert. Statt dem matten rosa orientierte man sich bei der Farbauswahl stärker an der Tuffsteinverblendung des Torbogens sowie dem Kalkstein. Deshalb wurde der von Firma Diener aus Tuttlingen aufgebrachte neue Putz von Maler Wolfgang Karle aus Bollschweil sandfarben gestrichen. Die Fensterläden erstrahlen in den Stadtfarben weiß-blau. Im Vorfeld hatten Ludwig Henzler und Wolfgang Karle umfangreich recherchiert, welche Farbgestaltung das Tor in vorherigen Jahrhunderten hatte Genau wie beim Rathaus, hat Wolfgang Karle wieder hervorragende Arbeit geleistet. Dies gilt auch für Kunstschmied Peter Klink aus Denkingen bei Pfullendorf. Die gut 50 Kilogramm schwere Lampe hat er in kleinerem Maßstab bereits für die Säulenhalle des Rathauses entwickelt.
Seit Jahren sind die Senkungen im Bereich der Tordurchfahrt ein Ärgernis. Schürfen haben bereits vor mehreren Jahren die Erkenntnis gebracht, dass der Unterbau der Tordurchfahrt als auch des Rathausvorplatzes aus heutiger Sicht nicht geeignet ist, um Lasten dauerhaft aufzunehmen. Deshalb muss der Unterbau sachgerecht neu aufgebaut werden. Die Tordurchfahrt soll zusammen mit der Sanierung des Rathausvorplatzes angegangen werden. Da im kommenden Jahr mit der Rathaussanierung im Inneren begonnen wird und der Platz rund um das Gebäude sowieso sehr beengt ist, muss die Sanierung der Tordurchfahrt und des Rathausvorplatzes noch mindestens ein weiteres Jahr warten. Zudem möchten wir vom 4. bis 6. September im kommenden Jahr das Städtlefest feiern. Auch hier sind keine Baustellen förderlich.
