Anspruch auf Ganztagesbetreuung an der Lippachtalschule

Konzept, Mitarbeiterinnen sowie neue Räume stehen bereit

Kinder der Klasse 1 haben ab dem kommenden Schuljahr einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Dieser Rechtsanspruch wird in den Folgejahren stufenweise ausgeweitet. Ab dem Schuljahr 2029/2030 hat jedes Grundschulkind der Klassenstufe 1-4 einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung. Der Betreuungsanspruch erstreckt sich auf acht Zeitstunden pro Tag. Er besteht in jeder Woche von Montag bis Freitag mit Ausnahme von Feiertagen und auch während der Schulferien mit Ausnahme von vier Wochen Schließzeiten. Die Eltern entscheiden, in welchem Umfang sie den Betreuungsanspruch ihrer Kinder wahrnehmen möchten.

Die Stadt Mühlheim ist unter der Federführung von Diane Wöhrle als Leiterin des Betreuungsteams an unserer Lippachtalschule für den pädagogischen Part sowie der stellvertretenden Hauptamtsleiterin Magdalena Feger für alle organisatorischen und finanziellen Aufgabenstellungen sehr gut vorbereitet und aufgestellt für die neue Zeitrechnung. So gut vorbereitet sind längst nicht alle Kommunen. Das Institut für Deutsche Wirtschaft hat vor wenigen Wochen publiziert, dass alleine in Baden-Württemberg mindestens 22.400 Betreuungsplätze fehlen.

Die pädagogische Konzeption wurde in der letzten Gemeinderatssitzung von Diane Wöhrle vorgestellt. Das offene Betreuungsangebot an den Vormittagen im Rahmen der verlässlichen Grundschule wurde bereits zu Beginn des Schuljahres 2006/2007 eingeführt. Nur ein Jahr später folgte der Einstieg in die Nachmittagsbetreuung. Sowohl vom zeitlichen Umfang der Angebote als auch pädagogisch wurden die Angebote im Laufe der Jahre entsprechend den wachsenden Bedarfen der Familien ausgeweitet und pädagogisch weiterentwickelt. Als Glücksfall erweist sich, dass Diane Wöhrle, Martina Liesch und Erika Neitzel bereits seit 15 Jahren mit viel Herzblut, Empathie, pädagogischer Kompetenz und Kreativität gemeinsam das umfangreiche Betreuungsangebot gestalten.

Die Lippachtalschule wurde Anfang der 1970´er Jahre erbaut und 1993 erweitert. Sie ist ausgelegt für 8 Klassen. Dass ein großer Teil der Kinder auch außerhalb des Unterrichts betreut wird, wie es heute selbstverständlich ist, war damals nicht vorstellbar. Folglich passt das Raumangebot schon lange nicht mehr mit den Betreuungsbedarfen überein und ist deutlich zu gering dimensioniert. Der Erweiterungsbau mit einer Grundfläche von 300 qm ist zwingend notwendig, um die große Anzahl an Kindern angemessen betreuen und anleiten zu können. Der Baufortschritt ist sehr erfreulich. Es ist fast zu 100 % sicher, dass zum neuen Schuljahr die neuen, hellen und freundlichen Räume zur Verfügung stehen werden.

Magdalena Feger stellte dem Gemeinderat die Ergebnisse der aktuellen Elternbefragung der zukünftigen Erstklässler sowie das organisatorische Konzept und die Kalkulation der Elternbeiträge vor. Für die Gewährleistung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung muss nur die Betreuung am Freitagmittag ausgeweitet werden, sodass auch an diesem Tag eine tägliche Betreuung von 8 Stunden erreicht wird. Bei den übrigen Tagen von Montag bis Donnerstag wird der zukünftige Rechtsanspruch aktuell sogar um eine halbe Stunde übererfüllt. Die aktuelle finanzielle Förderung des Landes ist ungenügend und beträgt lediglich rund 7 % der tatsächlich anfallenden Kosten. Die Kalkulation der Gebühren bzw. die Bemessung der Elternbeiträge basiert auf einem Anteil von 20 % der Gesamtkosten, welchen die Eltern beitragen müssen. Folglich trägt die Gesamtheit aller Steuerzahler über 70 % der anfallenden Kosten. Erst ab dem Schuljahr 2029/2030 ist sichergestellt, dass das Land 68 % der Kosten für die Ganztagesbetreuung trägt. Bis dahin müssen die Kommunen diese eklatante Verletzung des Konnexitätsprinzips („wer bestellt, bezahlt auch“) notgedrungen schlucken, damit die Familien nicht darunter leiden müssen. Der Gemeinderat hat eine moderate Anpassung der Gebühren am Vormittag um 3 Euro am Tag beschlossen. Die Gebühren am Nachmittag bleiben konstant und werden nicht erhöht. Der Freitagnachmittag kommt als zusätzliches Angebot für die Erstklässler hinzu. Das Anmeldeverfahren für Kinder der Klassen 2-4 ändert sich nicht.

Den größten Erweiterungsbedarf gibt es in der Ferienbetreuung. Obwohl fast alle Eltern 30 Tage Urlaub haben, hat der Bund im Einvernehmen mit dem Land unverständlicherweise festgelegt, dass es lediglich an 20 Tagen im Jahr kein Betreuungsangebot geben darf. Die Verwaltung und das Betreuungsteam haben die Weihnachtsferien, die Fasnetsferien und weitere flexible Tage (wie bspw. Brückentage) als Schließtage definiert. Die Herbstferien 2026 wurden ebenfalls als Schließtage definiert. Das bedeutet, dass die Ferienbetreuung in den Herbstferien 2026 wie bisher auch von 07.30 – 13.30 Uhr angeboten wird. Ab dem Jahr 2027 müssen alle anderen Ferienwochen von 07.30 bis 15.30 Uhr für Kinder mit einem Anspruch auf Ganztagsbetreuung ausgeweitet werden. Die Ferienbetreuung wird mit zwei Betreuungsfenstern angeboten: Die Vormittagsbetreuung von 07.30 – 13.30 Uhr und die Nachmittagsbetreuung von 13.30 Uhr – 15.30 Uhr. Die Kosten der Vormittagsbetreuung liegen wie bisher bei 12 €/Tag und die Kosten der Nachmittagsbetreuung bei 6€/Tag. Den Rechtsanspruch auch in den Ferienzeiten zu erfüllen, ist für die Leiterin der Ferienbetreuung, Beate Strestik und die Stadtverwaltung noch eine große Herausforderung. Die Stadtverwaltung ist deshalb in Abstimmung mit anderen Nachbargemeinden und könnte sich eine Erweiterung der Kooperation mit Fridingen gut vorstellen. Im Hinblick auf diese noch in Teilen offene Baustelle des Gesamtkonzepts, hat der Gemeinderat auf Bitte des Betreuungsteams und der Verwaltung beschlossen, dass zukünftig das Betreuungszeitfenster während der Schultage um 15:30 Uhr statt um 16 Uhr für alle Klassen endet. Der Rechtsanspruch wird damit erfüllt. Eine Erweiterung auf 16 Uhr in den kommenden Jahren ist je nach verfügbaren Mitarbeiterinnen und dem Elternbedarfen nicht ausgeschlossen.

 

Auf dem Bild sind die drei Meisterbäckerinnen in Sachen Betreuung zu sehen (von links): Erika Neitzel, Martina Liesch und Diane Wöhrle.