Unser Stadtarchivar Ludwig Henzler war seit über drei Jahrzehnten auf der Suche nach einem ganz besonderen Grenzstein: der so genannte „Sesselmark“ auf der Grenze zwischen Mühlheim und Stetten. Dank seiner großen Beharrlichkeit sowie einer Vielzahl kompetenter Unterstützer konnte der markante Grenzstein aufgespürt werden.
Der Findling in Form eines überdimensionierten Sessels wurde Ende vergangenen Jahres gefunden. Der damalige Kreisarchivar und Vorsitzende des Kreisgeschichtsvereins, Dr. Joachim Schuster, aktivierte seine Kollegen vom Vermessungsamt des Landratsamtes. Zusammen mit Fortrevierleiter Sebastian Dreher machten sich diese auf die Suche und wurden dank moderner Vermessungstechnik schnell fündig. Ein Großteil des Steins war verdeckt. Lediglich ein kleiner Teil ragte aus dem Erdreich heraus. Der Heimatverein unter der Leitung ihrer Vorsitzenden Ursula Scheunemann legte den Markstein wieder frei. Sebastian Dreher kümmerte sich um die Freistellung des Marksteines, damit dieser gut sichtbar ist und nicht durch umstürzende Bäume gefährdet wird. Die Jugendfeuerwehr schließlich sorgte dafür, dass der große Stein vom Schmutz der vergangenen Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte befreit wurde. Bei allen Beteiligten war die Freude groß, dass dieses Kleindenkmal von herausgehobener Bedeutung unversehrt wiederentdeckt wurde.
Der Markstein trägt seinen Namen auf Grund seiner markanten Formgebung, aber auch wegen einer Erzählung aus längst vergangenen Tagen. Demnach sollen die Scharfrichter dort Rast gemacht haben. Über die Jahrhunderte wohnten diese in Nendingen. Innerhalb der Familie Reichle wurde der Beruf des Henkers weitervererbt. Erst 1762 wurde auf dem Galgenberg oberhalb des Neubaugebiets „Mühlenösch-Erweiterung“ der letzte Verurteilte gehängt. Das Gewann rund um die Sesselmark trägt auch heute noch den Namen „Henkerstaig“. Der Heimatverein wird noch eine Tafel an der Sesselmark anbringen, um die Erinnerung an die Geschichte des Marksteins wach zu halten.
Auf dem Foto sehen Sie (von links): Dr. Joachim Schuster (Vorsitzender Kreisgeschichtsverein), Revierleiter Sebastian Dreher, Felix Herbst vom Vermessungsamt, Heimatvereinsvorsitzende Ursula Scheunemann, Bürgermeister Jörg Kaltenbach, Oliver Lesczinski vom Vermessungsamt, Ortsvorsteher Emil Buschle und Stadtarchivar Ludwig Henzler