Viele Substanzen aus dem Abwasser werden durch die üblichen drei Reinigungsstufen auf kommunalen Kläranlagen sehr gut entfernt. Problematisch sind die sogenannten Spurenstoffe, die bisher nur schwer oder gar nicht abgebaut werden konnten. Mit der vierten und fünften Reinigungsstufe ist es möglich, auch diese Stoffe weitgehend zu entfernen. Bei Spurenstoffen im Abwasser handelt sich beispielsweise um Rückstände aus Arzneimitteln, Industriechemikalien oder Reinigungsmitteln. Die Reinigung des Abwassers mittels Pulveraktivkohle und Ultrafiltration kommt bundesweit erstmals zum Einsatz. Im Vorfeld gab es umfangreiche Pilotversuche. Diese wurden vom Kompetenzzentrum Spurenstoffe Baden-Württemberg begleitet. Diese Begleitung setzt sich während der Bauzeit und des ersten Betriebsjahres fort, damit andere Kläranlagenbetreiber in künftigen Jahren von diesen Erfahrungen profitieren können. Diese innovative Variante der Reinigung hat den schönen Nebeneffekt, dass sie zugleich auch die wirtschaftlich sinnvollste Möglichkeit darstellt.
Anfang April 2025 war Spatenstich für die Erweiterung der Verbandskläranlage des Abwasserzweckverbandes Donautal-Heuberg. Die Vergabesumme der Tief-, Straßenbau- und Leitungsverlegearbeiten lag rd. 280.000 € unter der Kostenschätzung. Eine zusätzliche Ersparnis ergab sich durch den Einbau des Aushubmaterials für das neue Betriebsgebäude in den Bikepark am Lippachtalspielplatz. Die Rohbauarbeiten für das neue Betriebsgebäude und des Beschickungspumpwerkes verliefen nach dem Zeitplan. Die Rohbauabnahme konnte Mitte März 2026 erfolgen.
Aufgrund einer Kostensteigerung bei der Ausführungsplanung der technischen Ausrüstung in Höhe von rd. 600.000 € fand im Oktober 2025 eine Verbandsversammlung statt. Herr Stetter vom Ingenieurbüro Dreher und Stetter stellte die Ausführungsplanung im Detail vor. Die Kostensteigerung ergibt sich durch eine Umplanung des Beschickungspumpwerks mit trocken aufgestellten Förderpumpen und einer Vergrößerung der Ultrafiltrationsanlage von 16 auf 20 Elemente. Vor der Versammlung wurden die Punkte mit Herrn Dr. Locher vom Ingenieurbüro Jedele+Partner, mit dem Kompetenzzentrum Spurenstoffe Baden-Württemberg und Herrn Jürgen Fromm, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Tuttlingen besprochen und als sinnvoll erachtet.
Ende Januar 2026 erfolgte die öffentliche Ausschreibung der Verfahrens- und Prozesstechnik, der Elektro-Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (EMSR) und der PAK-Dosieranlage. Die Ausbaugewerke Fliesenleger-, Maler-, Gipserarbeiten, die Fassadenverkleidung, Fenster und Türen wurden beschränkt ausgeschrieben. Die Subbmission erfolgte im März 2026. In Verbandsversammlung letzter Woche hat Herr Stetter die Vergabevorschläge der einzelnen Gewerbe erläutert. Die Gesamtvergabesumme lag bei 2.917.156 € und wurde von der Verbandsversammlung beschlossen. Nach dem Zeitplan werden die Gewerke ab Mitte Mai umgesetzt. Die Inbetriebnahme ist für Mai bis August 2027 eingeplant. Die Gesamtkosten liegen nach der Ausschreibungsergebnissen bei rund 4,75 Millionen €, somit um rund 160.000 € höher als gegenüber der ursprünglichen Kostenannahme aus dem Jahr 2025. Dies ist eine Kostensteigerung um 3,5 Prozent. Bereits zu Beginn der Versammlung hat Herr Fromm darüber informiert, dass dem Regierungspräsidium die Mehrkosten angezeigt wurden und das Präsidium einer Erhöhung des Fördervolumens zustimmen könne. Bei einem Zuschuss in Höhe von rund 3 Millionen € bleibt ein Eigenanteil von 1,75 Millionen €, der über den Abwasserzweckverband und Darlehen finanziert wird. Die Zins- und Tilgungsleistungen führt zu einer moderaten Erhöhung der jährlichen Umlagen der Mitgliedsgemeinden.
In der Versammlung wurde beschlossen, die Bündelungsausschreibung für die Klärschlammbehandlung aufzuheben. Vorausgegangen war eine gemeinsame Ausschreibung der Kläranlagenbetreiber aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Die Ziele der Ausschreibung konnten nicht erreicht werden. Es liegt kein wertbares regionales Angebot vor. Das Preisniveau ist gemessen an der Kooperation mit der Stadtentwässerung Tuttlingen nicht wirtschaftlich und eine Phosphorrückgewinnung wurde nicht angeboten.
Ein weiterer Beratungspunkt war der Bericht über die Betriebsbetreuung der Verbandskläranlage durch das Büro Jedele und Partner. Hier konnte Herr Stefan Schuler berichten, dass die Ablaufwerte bei jeder Beprobung durchweg den hohen rechtlichen Anforderungen entsprochen haben. Störfälle hat es nicht gegeben, der korrekte Betrieb der Verbandskläranlage war zu jeder Zeit gewährleistet.
Letzter Beratungspunkt war die Verabschiedung des Wirtschaftsplanes 2026. Für notwendige Unterhaltungsmaßnahmen an der Beckenkrone des Nachklärbecken und der Erneuerung der Nitratsonde in der Belebung 1 sind 85.000 € eingeplant. Die Klärschlammentsorgung, die Energie- und Personalkosten bilden die großen Kostenblöcke. Die Aufwendungen liegen bei 614.604 € und werden durch die Betriebskostenumlagen der Mitgliedsgemeinden finanziert. Für die Erweiterung der 4-ten und 5-ten Reinigungsstufe sind im Planjahr 2026 Haushaltsmittel in Höhe von 2.642.000 € eingestellt. Die Finanzierung erfolgt über einen Zuschuss und einer Darlehensaufnahme mit 550.000 €.